OECD Starting Strong VI: Länderbericht der Schweiz

Im Auftrag der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK) hat die Pädagogische Hochschule St.Gallen einen Länderbericht im Rahmen der OECD-Studie «Starting Strong VI: Supporting Meaningful Interactions in Early Childhood Education and Care» verfasst. Im Zentrum des Länderberichts steht die Frage, wie eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung und Betreuung sichergestellt werden kann.


Foto: Sigmund / unsplash

Folgend auf den quantitativen Ausbau des Angebots der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in den vergangenen Jahrzehnten steht die Angebotsqualität verstärkt im Fokus. Die geschaffenen Voraussetzungen für die frühkindliche Bildung sind gemäss Bericht in der Suisse romande besser als in der Deutschschweiz und im Tessin. Ferner ist das Angebot familienergänzender Kinderbetreuung in ländlichen Gebieten oftmals nur sehr begrenzt vorhanden. Auch der Zugang zur familienergänzenden Kinderbetreuung ist aufgrund der im europäischen Vergleich hohen Elternbeiträge ungleich. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass in der Schweiz der Eintritt in das Bildungssystem in der Regel im Alter von vier Jahren mit dem Eintritt in den Kindergarten erfolgt, frühkindliche Bildungsangebote vor dem vierten Lebensjahr sind privat und gehören nicht zum öffentlichen Bildungsangebot.


Kaum verbindliche Standards

Der Bericht zeigt, dass in der Schweiz kaum verbindliche Standards zur Qualitätssicherung und zur Weiterentwicklung der Prozessqualität in der FBEE bestehen. Die Zuständigkeit für Überwachung, Bewilligung und Regulierung der frühkindlichen Betreuung liegt im kantonalen Kompetenzbereich. Anforderungen an die Angebotsqualität bestehen zwar in allen Kantonen, in Bezug auf die Inhalte der pädagogischen Konzepte bleiben die kantonalen Anforderungen, falls geregelt, jedoch meist vage.


Es fehlt an wissenschaftlicher Evidenz

Darüber hinaus gibt es gemäss Bericht in der Schweiz nur begrenzt wissenschaftlich fundiertes Wissen über die pädagogische Qualität in Angeboten des Frühbereichs. Dieses ist jedoch notwendig, um die Professionalisierung zu fördern und Aus- und Weiterbildungen evidenzbasiert zu gestalten. Das duale Bildungssystem ist eine der Stärken der Schweiz. Es gewährleistet einen maximalen Transfer zwischen Praxis und Wissenschaft. In der Suisse romande verfügen die in frühkindlichen Angeboten tätigen Personen über höhere Berufsabschlüsse als in der Deutschschweiz. Um die pädagogische Qualität zu verbessern, sind Investitionen in die berufliche Qualifikation der Mitarbeitenden und die Weiterbildung der Erzieher*innen erforderlich.


Letztlich ist für eine Verbesserung der Bildungsqualität und gleiche Bildungschancen schweizweit eine stärkere Regulierung notwendig. Nationale Standards zur pädagogischen Qualität, insbesondere der Prozessqualität, in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sind erforderlich und durch die Kantone und Gemeinden zu kontrollieren und durchzusetzen.


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