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Eltern und Bildschirme – Muster elterlicher Bildschirmnutzung und kindliche Entwicklung

  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Während Bildschirmnutzung insbesondere von jungen Kindern bei vielen Fachleuten Besorgnis hervorruft, widmen wir der elterlichen Bildschirmnutzung im Allgemeinen weniger Aufmerksamkeit. Die Studie von Unternährer und Cost untersuchte daher, wie elterliche Bildschirmnutzungsprofile mit der Bildschirmnutzung der Kinder und deren emotionalen Wohlbefinden zusammenhängen. Die Untersuchung umfasste eine Kohorte von 867 kanadischen Eltern von 5-jährigen Kindern.


Kinder die ohne Spielzeug spielen und lachen.
Foto: Tashi-Delek | iStock.com

Ein Beitrag von Eva Unternährer, Kinder- und jugendpsychiatrische Forschungsabteilung, Universitäre Psychiatrische Kliniken, Universität Basel, und Katherine T. Cost, Department of Psychology, University of Waterloo, Kanada


Muster elterlicher Bildschirmnutzung

Die Forscherinnen fanden sechs verschiedene Nutzungsprofile basierend auf elterlicher Nutzung von mobilen (z. B. Smartphones) und nicht-mobilen Bildschirmen (z. B. Fernsehen). Die Nutzungszeiten der unterschiedlichen Gruppen reichte von relativ geringer Bildschirmzeit (etwa 1 Stunde pro Tag) bis hin zu hoher Bildschirmzeit (etwa 4,5 Stunden pro Tag). Dabei unterschieden sich die Gruppen hauptsächlich hinsichtlich der mobilen Nutzung, nicht aber der Fernsehnutzung:


  • Profil 1: Wenig Bildschirmnutzung (37,3 % der Eltern) mit durchschnittlich 55 Minuten Fernsehen und 2 Minuten Nutzung von Mobilgeräten pro Tag.

  • Profil 2: Mehr Fernsehen als Mobilgeräte (30,1 % der Eltern) mit durchschnittlich 62 Minuten Fernsehen und 30 Minuten Nutzung von Mobilgeräten pro Tag.

  • Profil 3: Gleiche Nutzung von Fernsehen und Mobilgeräten (20,4 % der Eltern) mit durchschnittlich 65 Minuten Fernsehen und 60 Minuten Nutzung von Mobilgeräten pro Tag.

  • Profil 4-6: Höhere Nutzung von Mobilgeräten als Fernsehen mit höheren Gesamtnutzungszeiten (jeweils 6,6 %, 4,4 % und 1,3 % der Eltern). Durchschnittlich 64, 87 und 97 Minuten Fernsehen und 84, 120 und 174 Minuten Nutzung von Mobilgeräten pro Tag.


Alleinerziehende Eltern hatten ein höheres Risiko, in die Gruppen mit höherer Bildschirmzeit zu fallen. Ebenso war ein niedrigeres Haushaltseinkommen mit einigen der Profile höherer Mobilnutzung verbunden, was möglicherweise auf einen begrenzten Zugang zu sozialer Unterstützung und alternativen Unterhaltungsformen zurückzuführen ist.


Eltern als Vorbilder für ihre Kinder

Die Ergebnisse zeigten, dass Kinder, deren Eltern in die Nutzungsprofile mit höherer mobiler Nutzung fielen, selbst mehr Zeit vor Bildschirmen verbrachten. Ausserdem wiesen Kinder von Eltern im höchsten Nutzungsprofil höhere Raten an sozio-emotionalen Schwierigkeiten auf.


Implikationen

Bildschirmnutzung von Kindern kann nicht isoliert betrachtet werden und spiegelt auch elterliche Nutzungsmuster und breitere familiäre Umstände wider. Das Verständnis dieser Dynamiken ist entscheidend, um Familien Orientierungshilfe zu bieten, die sich in einer zunehmend digitalen Welt zurechtfinden müssen.


Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Unterstützung vulnerabler Familien, die von zusätzlichen Ressourcen und Anleitung rund um einen gesunden Umgang mit Technologie profitieren könnten. Schliesslich ist die elterliche Bildschirmzeit ein relevanter Faktor in der frühkindlichen Entwicklung, der sowohl in der klinischen Praxis als auch in politischen Diskussionen Aufmerksamkeit verdient.


Referenzen

  • Cost, K. T.*, Unternährer, E.*, Tsujimoto, K., Vanderloo, L. L., Birken, C. S., Maguire, J. L., Szatmari, P., & Charach, A. (2023). Patterns of parent screen use, child screen time, and child socio‐emotional problems at 5 years. Journal of Neuroendocrinology, 35(7), e13246.

    * geteilte Erstautorenschaft


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Weiterführende Informationen

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