Bildschirme in den ersten Lebensjahren: Was sagt die Forschung?
- vor 4 Stunden
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Smartphones, Tablets und Fernseher sind fester Bestandteil des Alltags vieler Familien. Selbst sehr junge Kinder verbringen oft Zeit vor Bildschirmen. Eine neue Übersichtsarbeit fasst zusammen, was die Forschung darüber aussagt, wie die Nutzung von Bildschirmgeräten mit der Entwicklung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren zusammenhängen könnte.

Ein Beitrag von Fabio Sticca (a, b), Valérie Brauchli (b, c) und Patricia Lannen (b)
a) Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich, b) Marie Meierhofer Institut für das Kind, Zürich, c) Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Warum das Thema der frühen Bildschirmnutzung wichtig ist
Die ersten Lebensjahre sind eine Schlüsselphase für die Entwicklung von Kindern. In dieser Zeit lernen Babys und Kleinkinder durch Interaktion, Spiel, Bewegung und Kommunikation mit Bezugspersonen. Da digitale Medien im Alltag immer präsenter werden, fragen sich Eltern und Fachleute zunehmend, wie die Bildschirmzeit mit der Entwicklung von Kindern zusammenhängen könnte.
Was die Studien zeigen
In dieser Übersichtsarbeit haben Sticca und seine Kolleginnen 158 internationale Studien zusammengefasst, die Zusammenhänge zwischen der Bildschirmzeit und der Entwicklung von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren untersuchten. Die Studien betrachteten verschiedene Bereiche wie Schlaf, Sprachentwicklung, Lernen, motorische Fähigkeiten sowie soziale und emotionale Entwicklung.
Von über 500 Ergebnissen wiesen etwa 42 % auf unerwünschte Zusammenhänge hin (z. B. schlechterer Schlaf oder geringere motorische Fähigkeiten), während nur circa 9 % auf wünschenswerte Zusammenhänge hindeuteten. Die restlichen circa 49 % der Ergebnisse wiesen auf keinen klaren Zusammenhang hin. Dies legt nahe, dass die Zusammenhänge nicht immer eindeutig sind.
Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass die Bildschirmnutzung weniger problematisch sein kann, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. So fallen die Zusammenhänge tendenziell weniger ungünstig aus, wenn der Inhalt der Bildschirmnutzung altersgerecht und lehrreich ist, wenn Kinder gemeinsam mit Erwachsenen schauen und über das Gesehene sprechen, und wenn die Bildschirmnutzung andere wichtige Aspekte wie ausreichend Bewegung und Schlaf, soziale Interaktionen und gesunde Ernährung nicht verdrängt.
Was dies für Familien und Fachkräfte bedeutet
Zusammenfassend zeigt die Übersicht, dass die Bildschirmzeit in den frühen Jahren differenziert betrachtet werden sollte. Nicht nur die Menge der Bildschirmnutzung, sondern auch der Inhalt und die Situation, in der Medien genutzt werden, scheinen wichtig zu sein. Gleichzeitig ist mehr Forschung nötig, um besser zu verstehen, wie sich die Bildschirmnutzung auf junge Kinder auswirken kann und wie Eltern und Fachkräfte eine gesunde Entwicklung in einer digitalen Welt unterstützen können.
Referenzen
Sticca, F., Brauchli, V., & Lannen, P. (2025). Screen on = development off? A systematic scoping review and a developmental psychology perspective on the effects of screen time on early childhood development. Frontiers in Developmental Psychology, 2:1439040. doi.org/10.3389/fdpys.2024.1439040
Link (open access)
Weiterführende Informationen
"News aus der Wissenschaft 1/2026 - Bildschirmnutzung in der frühen Kindheit" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 2/2025 - Herausforderungen rund um die Geburt" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 1/2025 - Spiel in der frühen Kindheit" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 2/2024 - Emotionale Entwicklung" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 1/2024 - Sprachentwicklung" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 2/2023 - Inklusion" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 1/2023 - Digitale Medien" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 2/2022 - Gesundheit" als PDF herunterladen.
"News aus der Wissenschaft 1/2022 - Integration" als PDF herunterladen.
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