Soziale Sicherheit in der Migrationsgesellschaft der Schweiz

Menschen ohne Schweizer Pass sind in ihrer Existenz doppelt gefährdet. Wer arm wird und nicht mehr alleine über die Runden kommt, muss fürchten, in Bezug auf die Aufenthaltsrechte herabgestuft zu werden oder sie ganz zu verlieren. Aus Furcht davon, wenden sich viele nicht mehr an die Sozialbehörden.


Foto: Lane Erickson / Adobe Stock

Ihre Armut zeigt sich dann ganz konkret – sie zeigt sich an den Prioritäten, die sie setzen müssen, und an den Fragen, die sie sich täglich stellen: Viele davon betreffen den Alltag von Kindern, die ganz am Anfang ihres Lebens stehen. Für welches Kind kaufe ich Winterschuhe? Leisten wir und das Kinderbett oder ein Geschenk zum Geburtstag? Wo finden wir eine günstigere Wohnung, ohne die Kinder aus ihrer vertrauten Umgebung reissen zu müssen? Für den «Badieintritt» der Kinder fehlen ein paar Franken im Portemonnaie, der Brille fehlt die nötige Anpassung.


Die Autor:innen der Ausgabe von terra cognita 39 «Soziale Sicherheit in der Migrationsgesellschaft Schweiz» nehmen die Herausforderungen bei den Sozialversicherungen unter die Lupe, erläutern Erklärungsansätze für die erhöhten Risiken von Beschäftigten ohne Schweizer Pass und beschreiben Lösungsansätze zur Vermeidung von Armut. Die ersten Lebensjahre stellen die Weichen für die weitere Entwicklung jedes Kindes. Sie sind für das allgemeine Wohlbefinden, die Bildungs- und Erwerbschancen sowie für die gesellschaftliche Teilhabe von entscheidender Bedeutung.


Armut in der frühen Kindheit – Auswirkungen auf den späteren Erfolg in der Schule

Andrea Lafranchi forscht und lehrt an der interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich. In seinem Artikel befasst er sich mit der Frage, wie Armut in der Familie die Bildungschancen von Kindern beeinträchtigt. Er führt aus, wie Eltern mit dieser Situation, die oft in Zusammenhang mit ihrer Einwanderung steht, umgehen und wie sie ihre Kinder unterstützen.


Als Studienleiter der longitudinal angelegten Interventionsstudie ZEPPELIN (2011–2033) befasst sich Professor Lafranchi seit Jahren mit Programmen zur Förderung in der frühen Kindheit. Untersucht wird die Frage, ob frühe Förderung ab Geburt die Bildungschancen von Kindern aus psychosozial belasteten Familien erhöht. Die bereits vorliegenden Resultate sprechen eine eindeutige Sprache: die Begleitung der Eltern durch das Frühförderprogramm «PAT – Mit Eltern Lernen» (PAT) in einer belasteten Stichprobe zeigt auch drei Jahre nach Interventionsende positive Effekte. Kurz vor ihrer Einschulung haben die Kinder, welche durch ein Frühförderungsprogramm begleitet werden, bessere Deutsch- und Mathematikkompetenzen, eine höhere Selbstregulation und weniger Verhaltensprobleme.


Für Lafranchi steht fest, dass wir die Armut dringend bekämpfen müssen, weil sie ein Bildungsrisiko darstellt. Auch umgekehrt gilt, dass ein niedriges Bildungsrisiko ein Armutsrisiko ist. Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen. International bewährt haben sich Interventionen, welche Familien in Risikolagen und ihre Kinder während der vulnerablen Phase der ersten Lebensjahre zu Hause begleiten und die negativen Auswirkungen von Belastungen mildern oder beheben.



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