Rückblick Tagung: Familienzentrierte Vernetzung in der Schweiz

Das Bundesamt für Gesundheit und Alliance Enfance haben am 28. März 2022 die gemeinsame Tagung "Familienzentrierte Vernetzung in der Schweiz" durchgeführt. Mit Referaten von Expert*innen aus Wissenschaft und Verwaltung sowie einem World Café ging die Tagung der Frage nach, wie interprofessionelle Strukturen in Kantonen, Städten und Gemeinden gefördert werden können.


Foto: Miriam Flury, Alliance Enfance

Ein gesunder Start ins Leben ist eine entscheidende Voraussetzung für ein gesundes Erwachsenenleben. Bund, Kantone sowie alle Institutionen der Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen sollten am selben Strick ziehen: Konkrete Massnahmen sollen für eine Nutzung bisher nicht ausgeschöpfter Potenziale in der Schwangerschaft und der Frühkindphase koordiniert entwickelt und gemeinsam ausgebaut werden.


Familienzentrierte Vernetzung als wichtiger Hebel zur Stärkung von Familien

Die Tagung bot den rund 100 Teilnehmenden eine Einführung in das Konzept der Familienzentrierten Vernetzung durch Prof. Dr. Martin Hafen von der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Gemeinsam mit Prof. Dr. Claudia Meier Magistretti ist er Autor der vom Bundesamt für Gesundheit BAG in Auftrag gegebenen Vorstudie der Hochschule Luzern HSLU zur "Familienzentrierten Vernetzung". Die Analysen in der ganzen Schweiz sowie die Konkretisierung in regionalen Workshops zeigen insbesondere, dass Familienzentrierte Netzwerke auf existierenden Strukturen aufbauen und sich konsequent an der Autonomie der Familien orientieren sollten.


"Es geht um ressourcenorientierte und vertrauensbasierte Unterstützung für Familien – weit weg vom Kindesschutz."

– Prof. Dr. Martin Hafen, HSLU - Soziale Arbeit


Familienzentrierte Netzwerke in Kantonen und Städten

Vier Praxisbeispiele gaben den Anwesenden einen Einblick in den Aufbau interprofessioneller Vernetzung in den Kantonen Uri, Basel-Stadt und Nidwalden sowie in der Stadt Aarau. Dabei gingen die Referent*innen insbesondere auf Stolpersteine und Erfolgsfaktoren in ihrem spezifischen Setting ein:


"Scham ist ein grosses Hindernis, familienbegleitende Angebote in Anspruch zu nehmen."

– Bruno Scheiber, Fachstelle für Gesundheitsförderung und Prävention, Kanton Uri


"In einem kleinen Kanton wie Basel-Stadt ist die Vernetzung etwas einfacher."

– Noortje Vriends, Leitung Zentrum für Frühförderung, Kanton Basel-Stadt


"Die Akteure nur zusammenzubringen genügt nicht. Sie müssen auch zusammenarbeiten."

– Mina Najdl, Projektleitung Frühe Kindheit, Stadt Aarau


"Nicht wir holen die Eltern ins Boot, sondern wir müssen dafür sorgen, dass die Eltern uns ins Boot holen."

- Martina Durrer Gabriel, Gesundheits- & Sozialdirektion, Projektleiterin GUSTAF und Erika Liem Gander, Teamleiterin MVB, Mitglied Projektgruppe GUSTAF, Kanton Nidwalden


Was brauchen die Akteur*innen in den Kantonen, Städten und Gemeinden?

Um den Bedarf von Entscheidungsträger*innen aus Kantonen, Gemeinden und Städten sowie aus der Praxis der Frühen Kindheit nach Unterstützung und Grundlagenarbeit durch das BAG im Bereich der Familienzentrierten Vernetzung zu erheben, wurde am Nachmittag ein World Café durchgeführt.


In neun Gruppen und je zwei World-Café-Runden entwickelten die Teilnehmenden Ideen und Visionen zum Aufbau "Familienzentrierter Netzwerke" in ihrer Region, konkretisierten mögliche Unterstützungsmassnahmen und formulierten ihre Bedürfnisse ans BAG und andere Akteure wie Bund, Kantone und Gemeinden.


Die Anwesenden diskutierten beispielsweise darüber, dass es eine Vielfalt an Anlaufstellen und -formen braucht, damit sich alle Familien die Hilfe holen können, die sie brauchen. Auch die wissenschaftliche Begleitung des Netzwerkaufbaus, die Schaffung gesetzlicher Grundlagen in den Kantonen sowie der gesellschaftliche und politische Diskurs über die Familienzentrierte Vernetzung waren ein Thema in den Gruppen.


Die Resultate der Tagung fliessen in die weiteren Arbeiten des BAG im Bereich der Frühen Kindheit ein und werden beispielsweise an einem Webinar von Primokiz sowie einer Tagung zum Thema "Früherkennung und Frühintervention in der frühen Kindheit" (ebenfalls in Zusammenarbeit mit Alliance Enfance) wieder aufgegriffen. Das BAG und Alliance Enfance informieren die Teilnehmenden sowie Interessierte zum gegebenen Zeitpunkt wieder.


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